Den Prozess einsehen

Drei Begegnungen, zwei Nächte, eine Bewegung

Zuerst wird im Einzelgespräch die eigene Lebenslinie sichtbar. Dann stellt sich an Beuys’ Feuerstätte die Frage nach Verantwortung, Aufgabe und sozialer Wirksamkeit. Am Tag darauf wird an Steiners Holzplastik erkennbar, welche Mitte zwischen Überhöhung und Erstarrung zu halten ist. Die Nächte gehören dazu: Was am Tag aufgenommen wurde, kann sich setzen.

Arbeitszeit Nacht, Teil des Prozesses Eigenarbeit zwischen den Terminen

Der biografische Blick

Einzeltermin · München oder ein biografisch tragender Ort im DACH-Raum

Der biografische Blick ist immer der Anfang. Hier wird gehört, gesammelt, geordnet.

  • Welche Linien tragen?
  • Welche Themen kehren wieder?
  • Wo ist die gegenwärtige Form der Wirksamkeit erkennbar, wo ist sie verstellt?
  1. Erster HalbtagIhre Lebensgeschichte wird aufgenommen. Gearbeitet wird nach dem Workbook der biografischen Gestaltungskompetenz.
  2. Die NachtWas aufgenommen wurde, kann sich setzen. Oft ist am nächsten Morgen etwas klarer, das am Abend noch offen war.
  3. Zweiter HalbtagWeiterarbeit mit der veränderten Klarheit. Die Linien werden geordnet, die Arbeitsfragen formuliert.

Ergebnis

Eine erste Standortbestimmung mit konkreten Arbeitsfragen für die beiden folgenden Begegnungen.

Feuerstätte · Joseph Beuys

Kunstmuseum Basel · Freitag, 30. Oktober 2026

Ein Raum, den Beuys über Jahre eingerichtet hat. An drei Wänden lehnen Stäbe aus Kupfer und Eisen, in aufsteigenden Gruppen geordnet. Beuys verstand ihn als permanente Konferenz: Nicht Gewalt entscheidet, sondern Beratung. Während das Alte noch da ist, wird das Neue schon verhandelt. Dieses Werk schaut man nicht an. Man steht darin.

Jeder Stab steht für eine Qualität: Gegensatz, Vermittlung, Wandlung, Überschreitung.

  1. Vor den StäbenSie treten vor einen Stab nach dem anderen und erzählen, was sich aus Ihrer Lebensgeschichte meldet. Ich höre zu und deute nicht. Auch ein Stab, vor dem sich nichts meldet, sagt etwas, manchmal das Wichtigste.
  2. Am Platz des GanzenSie schauen auf alles zugleich: Was hält es zusammen, auch das Widersprüchliche?
  3. Am HandwagenIn der Mitte des Raumes steht ein Handwagen mit Deichsel, davor liegt ein abgelegter Wanderstock. Aus der Betrachtung wird die Frage nach der Tat.
  4. An der TafelSie bringen das Entschiedene mit eigener Hand auf eine Tafel, als Satz oder als Bild.
  • Womit sind Sie hierhergekommen, und was darf liegen bleiben?
  • Was von dem Versammelten kommt auf den Wagen?
  • Wohin soll die Fahrt gehen?
  • Wer nimmt die Deichsel in die Hand? Ein Handwagen fährt nicht von selbst.

Ergebnis

Ihr Satz oder Bild auf der Tafel. Die Nacht danach gehört der Verarbeitung, am nächsten Morgen wartet in Dornach das zweite Werk.

Die Holzplastik · Rudolf Steiner

Goetheanum Dornach · Samstag, 31. Oktober 2026

Eine große Holzplastik: drei Gestalten in einem unauflöslichen Verhältnis. Die Figur in der Mitte hält zwei Kräfte im Gleichgewicht. Sie weicht keiner aus und gibt keiner nach.

Oben: die Kraft, die anhebtSie löst ab und zieht ins Schwebende und Übersteigerte. Im Übergang zeigt sie sich als Drang, sich zu überfordern, alles neu zu denken, sich innerlich zu lösen.

Mitte: die aufrechte FigurSie hält beide Qualitäten im Verhältnis.

Unten: die Kraft, die festigtSie verdichtet und führt in Erstarrung und Mechanik. Im Übergang zeigt sie sich als Festhalten, Funktionieren, Einrichten in Routinen und Sicherheiten.

  1. WahrnehmungPräzise, geduldig, ohne Eile zur Deutung.
  2. BegrifflichkeitDie Wahrnehmungen der Gruppe werden zusammengeführt.
  3. IndividualisierungDie Wendung nach innen: Wo neige ich zur Überhöhung, wo zur Erstarrung? Welche Mitte kann ich halten zwischen den Polaritäten meiner Lage?
  4. SyntheseDie drei Begegnungen werden zusammengeführt.

Ergebnis des ganzen Prozesses

Keine fertige Lebensplanung, sondern eine verdichtete Standortbestimmung: die tragenden Linien Ihrer Biografie, Ihre gegenwärtige Übergangsfrage, die hemmenden Muster und eine klare Richtung für die nächste Form der Wirksamkeit.